Darfs ein bisschen mehr sein?

Juli 2021

Hier teile ich meine Erfahrungen mit meiner neuen gebrauchten 645D von Pentax. Die 645D ist eine digitale Mittelformatkamera und mittlerweile einigermaßen bezahlbar. Der "LichtPanzer" kam im Jahr 2011 auf den deutschen Markt und bot erstmals digitale Mittelformatleistung mit der Usability einer Spiegelreflexkamera. Der ursprüngliche Preis kratzte an der 5-Stelligkeit, aber war damit in diesem Segment immer noch ein "Schnäppchen". Also kein Gedanke so etwas anzuschaffen und dazu kämen auch noch diverse Objektive, die für das System und den großen Bildkreis des CCD-Sensors gemacht sind - und Mittelformatlinsen sind eine Liga für sich, auch wenn man die obere Mittelklasse von Canon gewöhnt ist.

 

Warum aber hat dieses etwas übergewichtige Schätzchen nur diesen Habenwollen-Effekt? Nun, neben der gigantischen Auflösung (vor 10 Jahren waren 40 MPx schon ein Wort zum Sonntag) ist bei so einem Sensor mit einer Größe von 44x33 mm die Detailzeichnung und der Dynamikumfang phantastisch. Oft wird von diesem wunderbaren fast dreidimensionalen Fotos berichtet, die man nur damit hinbekommt. Heutzutage relativiert sich das jedoch alles, da die großen Hersteller mit den Top-Sensoren im Kleinbildformat (36x24 mm) bereits die Pixeldichte übertroffen haben und dazu hochgeöffnete Objektive anbieten, die eine ebenbürtige Bildwirkung ermöglichen. Aber auch diese Kameras und Linsen sind keine Schnäppchen.  

 


 

 

Als ich dann beim Rumschnüffeln im Netz bei meinem Lieblings-Händler Calumet eine gebrauchte und bezahlbare 645D gesehen habe, musste ich leider bestellen. Dazu noch ein Pentax-Telezoom smc FA 80-160 f/4.5 für den Anfang aus der Bucht sowie einen Funkauslöser für den Studioblitz und es kann losgehen. Mehr grundsätzliches oder technische Daten zur Kamera will ich hier selbst garnicht postulieren, im Netz finden sich dazu bereits viele Text und Video-Reviews. Ich möchte einfach nur darüber berichten, wie sich das Fotografieren Outdoor und im Studio damit im Vergleich zu meinem Canon-Gear anfühlt und welche Ergebnisse mit diesem Gebrauchtpanzer und einer günstigen Linse machbar sind. Zunächst mal ein paar erste Eindrücke:

  • Die Kamera wiegt mit dem angesetztem Telezoom etwa 2,5 kg und ist damit nichts für Menschen, die leichtgewichtige Technik bevorzugen. Ich bin auf mein erstes längeres Shooting gespannt...Muskelkater?
  • Bedienung und Menüführung erinnern an meine Canon-DSLRs, also ein Pluspunkt.
  • Alle Knöpfe und Einstellräder sind groß, erhaben und damit gut erfühlbar. Die Bedienweise zur Einstellung der Belichtungsparameter kann wie üblich über ein Programmwählrad eingestellt werden. Dazu lässt sich das Verhalten der Einstellrädchen vorn und hinten an die persönlichen Vorlieben je nach Belichtungsprogramm anpassen.
  • Der optische Sucher ist der Knaller, riesengroß. Die wählbaren 11 Fokuspunkte liegen allerdings zu sehr auf der Mitte, dass war bei den älteren DSLRs früher ja auch nicht anders. Da wird die Bildgestaltung nicht immer ganz einfach sein, obwohl meine Art zu fotografieren davon nicht besonders tangiert wird.
  • Der 3" Hauptmonitor zeigt sehr aufgeräumt alle Einstellungen, einzelne Infos sind farbig hinterlegt.
  • Der etwas zugeneigte obige LCD-Bildschirm zeigt die üblichen Einstellungen zur Belichtung, WB, Drive Bildanzahl usw. Die Anzeige ist sehr groß und kommt mir mit meiner fortschreitenden Altersweitsichtigkeit sehr entgegen.
  • Die Wiedergabe nach der Aufnahme dauert sehr lange. Mehrere Sekunden gehen ins Land bevor das Bild in der Voransicht erscheint. Hereinzoomen geht dann allerdings flott. Muss man sich erst dran gewöhnen. 
  • Die Pentax schafft im Serienbildmodus nur etwa Bild/s, für Sport und schnelle Bewegung ist der Apparat aber eh nichts.   

Erster Bildvergleich: Details in der Landschaft

Zusammen mit dem Apparillo kamen an diesem Tag die Mähdrescher. Da freuen wir uns immer, weil wir das Feld direkt nebenan haben und am Abend unsere Besen ausgiebig benutzen können :/

 

Meinen neuen Pixelbesen habe ich natürlich direkt mal auf den Claas-Drescher gehalten und das erste Ergebnis ist sehr ordentlich. (f/8, 1/250s, ISO400, ACR +0,7 LW, aus der Hand aufgenommen). Ihr könnt euch das JPG hier auf die volle Auflösung vergrößern, es ist minimal beschnitten und hat dann noch 36 Mpx (dauert etwas beim Draufklicken). Farbe und Kontrast habe ich zum Vorzeigen etwas gepusht.

 

Unten mal ein erster Vergleichstest mit meiner Canon-Kombi, vom Stativ aus der Haustür, autofokussiert. Beim Vergleich berücksichtigt der Profi bitte, dass das Canon Telezoom relativ neu ist und für Digitalkameras konstruiert wurde. Mit Fluor-Beschichtung und was weiß ich noch. Das Ergebnis ist top! Die Pentax Linse ist dagegen ziemlich alt, sicher noch für die alte, analoge 645 gemacht. Der Autofokus ist mechanisch, der des Canon Zooms natürlich Ultraschall.

 

 

Zwischen den Bildern liegen windige 15 Minuten und auch das Licht war nicht ganz gleich. An den Belichtungszeiten sieht man aber dennoch, wieviel mehr durch die große Netto-Blende des Mittelformatobjektivs geht: f/10 beim Pentax-Sensor entspricht umgerechnet etwa f/8 am Kleinbild. Da das rechte Bild etwas zu dunkel aufgenommen wurde habe ich es in ACR um +1 gepusht. Das hieße unterm Strich aber immer noch 1/200s gegen 1/100s bei KB!
Schön erkennen kann man im 100% Vergleich, dass die Detailzeichnung im Mittelteil des Fernsehturm-Ufos besser ist. Sicherlich, in dieser Aufnahme ausbelichtet oder in Vollansicht auf einem Monitor ist das Schnuppe, aber hier geht es ja um Feinheiten.

 


Menschen im mittleren Format

 

Für mein Fotoprojekt "Alte Freunde" setze ich die 645D ein. Authentische Aufnahmen von Charaktertypen mit Falten und Fehlern - genau das richtige für den phantastischen Kodak-Sensor ohne Tiefpass-Filter. Jeder Pixel im Bild ist auch bei 100% Ansicht noch ein Genuss. Die Farben passen, die Belichtung sitzt. Es braucht bis IS0 1000 keiner besonderen Bearbeitung in ACR, die DNGs aus der Kamera sind fast perfekt.

 

Das Beispielfoto hier ist allerdings fertig bearbeitet, es wurde aber nur minimal für die verkleinerte Auflösung geschärft.

 

Portraits in einer Auflösung von 40 MPx erlauben detaillierte Fine-Art Prints bis zu einer Größe von
120 x 90 cm - mit kleinen Abstrichen auch noch größer.